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Orientteppiche als Wertanlage

Sind Orientteppiche eine Wertanlage? Ist das nur für Experten interessant sein? Welche Teppicharten sind geeignet? Und mit welchen Renditen kann man rechnen?

In diesem Beitrag beantworten wir sämtliche Fragen rund um das Thema Orientteppiche als Wertanlage.

Überdurchschnittliche Wertentwicklung

Wie Andrew Clare von der Sir John Cass Business Scholl 2017 auf Grundlage von Daten des Auktionshauses Christie’s in London feststellte, stiegen die Preise für Perserteppiche zwischen 1995 und 2015 im Durchschnitt um 4,10% pro Jahr. Der jährliche reale Preisanstieg der Teppiche lag damit über dem der anderen Kunstobjekte.

Basierend auf dieser Feststellung folgerte Andrew Clare, dass seiner Meinung nach Perserteppiche eine interessante diversifizierende Investitionsmöglichkeit für langfristig orientierte, institutionelle Investoren wie Universitätsstiftungen, Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften oder Verwaltungen privater Großvermögen (Family Offices) darstellen.

Eine Schätzung zur Wertentwicklung bietet die Studie ebenfalls. Der hier dargestellte Preisindex ist auf 100 im Jahr 1995 normiert.

Quelle: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2958111

Bei der Investition müssen allerdings noch Management-, Pflege- und Lagerkosten bedacht werden. Aufgrund der Wertentwicklung sind trotz dieser Kostenpunkte positive Rückflüsse zu erwarten.

Beim Verkauf eines Orientteppichs fallen zusätzlich noch Kosten für Provisionen bei Auktionen an.

Welche Orientteppiche sind eine gute Wertanlage?

Bestimmte Gruppen von Orientteppichen eignen sich und bestimmte Warengruppe sollten nicht als Wertanlage betrachtet werden.

Keine Wertanlage sind Teppiche und andere Kunstgegenstände, die Trends entspringen.

Beispielsweise gibt es aktuell (noch) den Trend Patchwork-Teppiche aus einzelnen Stücken abgenutzter Teppiche zusammen zu setzen und dann in modische Blau-, Pink- oder Grüntöne zu färben.

So plötzlich wie diese spezielle Mode von Teppichen gefragt ist, so schnell kann sie auch wieder out sein. Eine Anlageobjekt sind sollen Mode-Objekte nicht.

Der Preis von Orientteppichen liegt teilweise dramatisch auseinander. Wichtig ist zu bedenken, dass teure Teppiche nicht unbedingt auch langfristig ihren Wert behalten (und damit gute Anlagen sind).

Als beständige Teppicharten sind solche anzusehen, die per Hand aus hochwertigen Materialien gefertigt wurden. Diese sind in der Herstellung sehr aufwendig und haben einen gewissen eigenen Wert. Das Angebot an solchen hochwertigen Teppichen ist stabil (wenn nicht tendenziell knapp). Ein Preisverfall ist nicht zu erwarten, daher können beständige Teppiche eine Wertanlage sein.

Gegenteilig verhält es sich mit Massenware. Im Alltagssprachgebrauch oft mit Perser bezeichnete Teppiche sind das Synonym für Massenware. Mit Kostendruck zu geringsten Preise in hohen Stückzahlen produzierte Teppiche, die heutzutage auch eher auf eine geringe Nachfrage stoßen.

Ein Perser ist keine Wertanlage. Gebraucht sind sie meist komplett wertlos und selbst gut gealterte Exemplare sind de facto wertlos. Durch Erbschaften, Funde und Nachlässe kommen jedes Jahr tausende alte oder gebrauchte Perser-Teppiche auf den Markt und erzielen nur niedrigere Preise.

Interessant sind antike und semi-antike Stücke. Diese sind insofern angebotsseitig stabil, als dass keine Stücke mehr dazukommen, sondern die Gesamtzahl eher abnimmt. Durch Verschleiß, Verlust, Motten, Wasserschäden, Unkenntnis etc. nimmt die Zahl antike und semi-antike Teppiche jährlich ab.

Eine wichtige Einschränkung ist die auf schöne und gut erhaltene Stücke, nur diese erzielen besonders hohe Werte. Mit einer gewissen Seltenheit kombiniert gehen deren Preise regelmäßig durch die Decke.

Ein besonders publiker Fall ist der des persischen Teppichs aus dem 17. Jahrhundert, der in Augsburg für wenig Geld ersteigert wurde und in London für mehrere Millionen Euro verkauft wurde.

Wer meint einen Teppich von Wert zu haben, sollte gängige Adressen auf nationaler und internationaler Ebene konsultieren.

Wichtig bei der Wertanlage sind auch diese Themen:

Geschichte der Wertentwicklung (und den Lehren daraus)

Die Wertbestimmung hängt viel von den wirtschaftliche Rahmenbedingungen einer Zeit ab. Weltkriege, Inflation und Wirtschaftskrisen haben die älteren Generationen noch miterleben müssen. In der Nachkriegszeit blieben wir von diesen Katastrophen zum Glück verschont.

Wie man auch gut am Beispiel des Zerfalls Jugoslawiens sehen kann, kam es zu einem Zusammenbruch von Werten und Vermögen. In diesen Zeiten behalten Orientteppiche ihren inhärenten Wert, der durch die immense Arbeitskraft erschaffen wird, die zur Fertigung notwendig ist.

Lehre #1: Orientteppiche haben einen gewissen inhärenten Wert.

Einen wahrlichen (Nachfrage-)Boom erlebten die Orientteppiche in den 1960er und 1970er-Jahren. Die Teppiche, die zu der Zeit en vogue waren, konnte gar nicht in den Stückzahlen produziert werden, wie sie nachgefragt wurden.

Zudem fehlten im Orient Arbeitskräfte, da durch die einsetzende Industrialisierung viele Leute die manuelle Teppichproduktion verließen.

Das Resultat war klar. Nach dem Gesetz aus Angebot und Nachfrage zogen die Preise ordentlich an. Gerade in Zeiten hoher Inflation wurden die Orientteppiche auch gerne als Anlage betrachtet.

Lehre #2: Bei hoher Inflation sind Orientteppiche Anlagen.

Seit den 1980er-Jahren wuchsen die Wirtschaften orientalischer Länder jedoch rasant. Viele Arbeitskräfte strömten auf den Arbeitsmarkt und von dort aus auch wieder in die Teppichindustrie. In der Zeit und schon vorher (um der Nachfrage gerecht zu werden) wurden Teppiche vielfach billiger produziert.

Durch die zusätzlichen Arbeitskräfte konnte die Produktion dermaßen gesteigert werden, dass dies schon preisdämpfend war. Neue Teppiche unterlagen einem regelrechten Preisverfall.

Lehre #3: Preis eines Orientteppichs wird unter anderem von Angebot und Nachfrage nach diesem bestimmt. Dies sind Faktoren, die nur schwer zu prognostizieren sind.

In den 1990er-Jahren setzte ein neuer Trend ein. Viele Innovationen wie die modernen und Design-Teppiche wurden entwickelt. Zudem gab es an anderer Stelle eine Rückbesinnung auf traditionelle Herstellungsverfahren. Zwischen Bosporus und Hindukusch setzten viele alte Knüpfprovenienzen wieder auf die alte Knüpfkunst. Es wurde wieder Wolle per Hand versponnen und mit Naturfarben gefärbt.

Lehre #4: Bei Orientteppichen zahlen traditionelle Produktionen sich aus. Massenprodukte (in denen wenig Arbeit steckt) sind keine Wertanlage.

Fazit

Steht die Wertanlage im Vordergrund sollten Sie hochwertige, schöne, gut erhaltene, antike Teppiche kaufen. Diese Teppiche halten (und mehren) am wahrscheinlichsten ihren Wert. Nach dem Kauf sollten Sie sich unbedingt um eine gute und sichere Lagerung kümmern, die dafür sorgt, dass ihr Teppich Ihnen lange erhalten bleibt.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass im Moment viele Leute aus den orientalischen Ländern und Regionen wie China sehr viel Wohlstand erlangen, sind antike Orientteppiche eine gute Anlage. Die Aufsteiger aus Asien und dem Orient sind sicher an den Kulturgegenständen ihrer Vorahnen interessiert.

Wer weiß es schon. Der hohe Wert antiker Teppiche ist gut zu erklären, kann andererseits aber auch nur eine große Kursphantasie sein.