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Die Teppich-Region Bachtiar

Bachtiar ist ein beliebter arabischer Vor- und Nachname, der zudem eine Konföderation verschiedener Volksgruppen beschreibt, welche lange Zeit von der Familie Bachtiar beherrscht und entsprechend Bachtiar genannt wurden. Die Bachtiari, „Jene aus der Region der Bachtiar“, lebten ursprünglich halbnomadisch, sind heute aber vorwiegend sesshaft.

Die gehandelten Bachtiar-Teppiche werden allerdings nur selten von den Bachtiari selbst geknüpft und wesentlich häufiger von anderen Ethnien der Bachtiar-Region.[1] Die meisten Teppiche stammen aus den Dörfern der Provinz Chahar Mahal, welche im Nordosten an Isfahan anschließt und sich weitere Provinzgrenzen mit Chuzestan und Kohkiluyeh teilt.

Dort wurde das Teppichknüpfen zu einer der Hauptindustrien, bereits 1948 wurde in 120 Dörfern auf fast 4000 Knüpfstühlen gearbeitet – die meisten davon standen im Zentrum der Provinz, Shahr-Kurd. Die Bachtiar-Region bot gutes Weideland in seinen fruchtbaren Tälern zwischen den Erhebungen des Zagros-Gebirges.

Das Gebiet umfasst ca. 30500 Quadratkilometer auf bis zu 2000 m Höhe über dem Meeresspiegel. Es herrscht deutliches Kontinentalklima mit strengen Wintern und warmen Sommern. Gemäß einem Zensus Ende der 1990er Jahre lebten dort etwa 760.000 Menschen.

Bis ins 20. Jahrhundert war die als „Loristan“ bekannte Region noch weitgehend autonom. Stammeskonflikte, der Kampf zwischen Engländern und Deutschen um das dort gefundene Erdöl und der Wille des Schahs Reza der Pahlavi-Dynastie (1925-1979) schränkten die Stammesmacht mit militärischen Mitteln immer wieder ein.

Die Lokalkultur wurde teilweise verboten und verfolgt, die Sesshaftigkeit erzwungen. Shapour Bachtiar, der letzte Patriarch der Bachtiari, wurde 1991 ermordet. Trotz alledem gelang es, alte Muster und Traditionen in der Bachtiar-Region zu erhalten.[2]

Merkmale der Bachtiar-Teppiche

Das Gewebe der Bachtiar-Teppiche kann steif, fest und fast lederartig sein, da es typischerweise doppelt verhängt gewirkt wird. Aufgrund dieser Dichte sollten die Teppiche mit dem Flor nach außen gerollt transportiert werden, sodass sie keinen Schaden nehmen. Der wollende Flor besitzt einen schönen Glanz und reift am besten einige Jahre nach, um die volle Farbpracht zu entfalten.

Bachtiar-Teppiche bestehen niemals aus Kunstfaser und wurden bis in jüngste Zeit mit Naturfarben gefärbt. Sie können hoch- und niederflorig, dicht oder lose gewebt sein – die vielseitige Knüpfung ist kein guter Anhaltspunkt zur Identifikation, dazu werden die Farbmuster herangezogen:

Die vielseitigen Bachtiar-Teppiche zeichnen sich durch eine rotlastige Farbkomposition aus, in verschiedenen Verarbeitungen und Stilrichtungen sind sie stets mit einem floralen Design geschmückt. Quadratische, seltener rautenförmige, Felder mit unterschiedlichen Motiven sind typisch.[3]

Die häufigsten Sujets sind die Gebetsnische, Zypressen, Rosenbouquets, Weinranken, Vögel, Hirschkühe, Medaillons und Schmetterlinge. Seltener werden auch Füchse, Schafe und andere Blumen dargestellt.[4] Die meisten Teppiche besitzen drei bis vier unterschiedliche Felder, welche sich dann wiederholen.

Auf den Nomadenteppichen der Region finden sich viel ursprünglichere Muster, als in anderen Gebieten, da es aufgrund der abgeschiedenen Lage der Region Bachtiar zu weniger äußeren Einflüssen und Vereinfachungen kam. Aufgrund der festgelegten Form der horizontalen Nomadenwebstühle sind die Nomadenteppiche der Region in ihrer Größe beschränkt und erscheinen vorwiegend länglich.

In gleicher Art werden aber auch verschiedene Varianten von Taschen aller Art gefertigt. Die meisten Nomadenteppiche und Taschen werden zum Eigenbedarf hergestellt und gebraucht verkauft.

Entwicklung der Bachtiar-Teppiche

Bachtiar-Teppiche bestanden einst aus reiner Wolle, seit dem 20. Jahrhundert werden sie jedoch mit Wolle auf Baumwolle geknüpft. Die Qualität schwankt – generell werden Teppiche mit 150.000-600.000 Knoten pro Quadratmeter gehandelt, in Deutschland waren während der 1960er-1980er Jahre vor allem die Qualität von 400.000 Knoten pro Quadratmeter verbreitet.[5]

In den 1980ern verbreiteten sich die industriell gefertigten Dschahad-Bachtiar-Teppiche.

Sie sind einfacher gehalten und so robust, dass sie sich sogar für den Eingangsbereich eignen. So wurden diese Teppiche gesellschaftsfähig und erschienen erstmals in Handelskatalogen für Endverbraucher. Da die Dschahad-Bachtiar-Teppiche als Ausnahme neuwertig verkauft wurden, machte sie das für die Öffentlichkeit entsprechend attraktiver.

Varianten der Bachtiar-Teppiche

Es gibt zahlreiche Typen der Bachtiar-Teppiche von denen allein zwölf als bekannt zu bezeichnen sind. Hier seien einige davon genannt:

Besonders hochwertig sind die Bibibaff-Teppiche, benannt nach der Fürstin Bibihanum, welche die Teppichproduktion der Region enorm förderte.

Sie werden vor allem im Dorf Chahal Jotur hergestellt und zeigen sowohl die traditionellen Medaillons als auch das Gartenmuster (Cheti), das sich hier während der Safawiden-Zeit (1501-1722) verbreitete. Es stellt stilisierte Gewächse und Gartenanlagen von oben dar und gilt als besonderes Charakteristikum der Bachtiar-Teppiche – es heißt sogar, es sei in dieser Region erfunden worden.[6]

Der Chal-Shotor-Typ der Teppiche ist besonders farbenreich und regelmäßig und ähnelt dem Shahr-Kurd-Typ, welcher jedoch weniger regelmäßig und stärker rotlastig erscheint. Verwandt ist der kupferrote Saman-Teppich, der weniger fein aber dafür schwerer ist.

Unter den Dörfern mit zweifachem Kettfaden ist der Babaheidar-Teppich-Typ besonders leicht zu bestimmen, er zeigt typischerweise zwei Medaillons in Rostrot mit roten, blauen und geringfügig weißen Ornamenten.

Unter den Typen mit einfachem Kettfaden ist der Boldaji-Teppich herausragend, da er mit besonders seidiger Wolle geknüpft wird und eine weiße Bordüre besitzt. Die Teppiche der Typen Bein und Chalemzar sind beide weniger fein und weniger rotlastig als andere Bachtiar-Teppiche: Bein-Teppiche sind gelborangefarben und Chalemzar-Teppiche eher braun.

Eine Besonderheit stellt der Typ der Fara-Dumbach-Teppiche dar. Sie richten sich zum Beispiel durch die Darstellung französischer Blumensträuße am europäischen Geschmack aus. In Europa galten sie lange als Rarität, da sie am längsten von allen Bachtiar-Teppichen ausnahmslos mit natürlicher Pflanzenfarbe gefärbt wurden.

Einzelnachweise:

  1. http://www.sov-et.ch/fileadmin/user_upload/Torba/PDF/1996-02-d.pdf
  2. https://www.alleszumteppich.de/teppichstile-und-teppichregionen/persische-teppiche/bachtiar
  3. https://www.kibek.de/lexikon/bachtiar
  4. http://www.sov-et.ch/151.html
  5. http://www.tahbaz.de/provenienzen/bakhtiar.html
  6. http://www.raumausstattung.de/business/artikel-record_id-34570-Allgemein.htm